Gewaltprävention

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Gespeichert von chefredakteur am 4. November 2014 - 16:13
Kind hält seine Hand als Stoppzeichen noch oben

Gewaltprävention

Alle Kinder haben ein Recht auf Achtung, Schutz und Förderung und auf ein gewaltfreies Aufwachsen

Nicht alle Kinder in Deutschland wachsen gewaltfrei auf; sondern leiden unter körperlicher oder seelischer Gewalt, die sie z.B. zu Hause, in einer Institution oder in ihrer Peer Group erfahren und werden so massiv in ihren Rechten verletzt. Es ist Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen (§ 1 Abs. 3 SGB VIII).

 

Insbesondere der Schutz vor körperlicher und seelischer Misshandlung, Vernachlässigung sowie vor sexuellem Missbrauch spielt dabei eine zentrale Rolle. Dabei ist die Prävention von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ein zentrales Arbeitsfeld. Deren Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und ihre Eltern über mögliche Gefährdungen und Risiken aufzuklären und das Selbstbewusstsein sowie die Persönlichkeit der Kinder zu stärken.
 
Inhaltlich bilden in der Präventionsarbeit u.a. folgende Themen Schwerpunkte: Häusliche Gewalt, Zwangsheirat sowie die sog. Loverboy-Methode.
 

Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt umfasst alle Formen physischer, sexueller und/oder psychischer Gewalt zwischen Personen, die in einem Haushalt zusammenleben. Unter den Begriff der häuslichen Gewalt lässt sich somit nicht nur die Gewalt in Paarbeziehungen subsumieren, sondern auch Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen, die Gewaltausübung von Eltern gegen Ihre Kinder oder Gewalt von Kindern gegen ihre Familienangehörige.
 
Häusliche Gewalt ist verletzend, strafbar und keine Privatangelegenheit. Sie wird in vielfältigen Erscheinungsformen ausgeübt. Diese reichen von subtilen Formen der Gewaltausübung, wie z. B. das Ignorieren der Bedürfnisse und Befindlichkeiten der/des Geschädigten, über Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen, Bedrohungen sowie psychischen, physischen und sexuellen Misshandlungen, Freiheitsberaubung oder gar zu versuchten oder vollendeten Tötungen.
 
Es ist Aufgabe der öffentlichen Jugendhilfe, in solchen Fällen eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen und durch Hilfsangebote und in notwendigen Fällen auch in Form von Inobhutnahmen ihrem gesetzlichen Auftrag gem. § 42 Abs. 1 SGB VIII entsprechend tätig zu werden und das Wohl des Kindes sicherzustellen.
 

Zwangsheirat:

Bei einer erzwungenen Eheschließung wird das Recht auf Selbstbestimmung, die Würde des Menschen und die persönliche Freiheit in eklatanter Weise verletzt. Es handelt sich um eine Menschenrechtsverletzung, die nach § 237 StGB strafbar ist.
Zumeist werden Mädchen und junge Frauen, die häufig aus patriarchalisch geprägten Familien stammen, durch physische oder psychische Gewalt dazu gezwungen, eine ungewollte Ehe einzugehen. Vereinzelt werden aber auch junge Männer zwangsverheiratet.
 
Zur Unterstützung der betroffenen Mädchen und Jungen Frauen fördert das MKFFI die Bereitstellung von Einrichtungsplätzen (sog. Schutzräume). Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Gleichstellung und Bauen des Landes Nordrhein-Westfalen (MHKBG) fördert zudem zwei Fachberatungsstellen, die den Opfern von Zwangsverheiratungen Unterstützung und Hilfe bieten.
 

Loverboy-Methode:

Bei der sogenannten Loverboy-Methode wird Mädchen und jungen Frauen durch emotionale Manipulation eine falsche Liebesbeziehung vorgetäuscht. Die Mädchen oder jungen Frauen verlieben sich in den anfänglich scheinbar bemühten und charmanten „Loverboy“ und entwickeln eine emotionale Abhängigkeit diesem gegenüber. Diese Abhängigkeit nutzt der „Loverboy“ aus, um das Mädchen bzw. die junge Frau an Prostitution heranzuführen und auszubeuten. Häufig bringen die Täter ihre Opfer auch durch Drogen, Drohungen und Gewalt in weitere Abhängigkeit.
 
Nähere Informationen zu der Thematik finden Sie anschaulich dargestellt im folgenden Erklärvideo. Das MKFFI fördert Mädchenberatungsstellen, in denen sowohl betroffene Mädchen* und junge Frauen* als auch deren Angehörige professionelle Unterstützung und persönliche oder auch anonyme Beratungsangebote in Anspruch nehmen können. In Nordrhein-Westfalen gibt es landesweit acht Fachberatungsstellen für Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung und Zwangsprostitution bzw. für Opfer der Loverboy-Methode (gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Gleichstellung und Bauen des Landes Nordrhein-Westfalen).
 

Förderungen des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Das MKFFI fördert Angebote, die sich insbesondere an Mädchen und junge Frauen in besonderen Lebenslagen richten. Mädchenhäuser bzw.  Mädchenberatungsstellen die betroffenen Mädchen und jungen Frauen unter anderem durch qualifizierte Beratungen, Gesundheitsfürsorge und das Bereitstellen von geschützten Räumen konkrete und schnelle Hilfe anbieten werden dabei aus Landesmitteln unterstützt. Darüber hinaus fördert das MKFFI aus dem Kinder- und Jugendförderplan auch weitere, explizit präventive Angebote (Förderposition 6.1 KJFP) in der Kinder- und Jugendhilfe (siehe auch hier).
 

Im Einzelnen sind dies:

Projekte für Mädchen* und junge Frauen* in besonderen Lebenslagen

Das MKFFI fördert die Durchführung von Maßnahmen für Mädchen* und junge Frauen* in besonderen Lebenslagen (z. B. Empowermentangebote bzw. –workshops, Selbstbehauptungskurse, Kreativangebote und Gruppentrainings). Die Angebote richten sich an alle Mädchen* und junge Frauen*. Zudem richten sich einige Projekte insbesondere an Mädchen* und junge Frauen*, die unter anderem auf der Flucht oder in ihrem Herkunftsland (sexualisierte) Gewalterfahrungen gemacht haben. Die vielfältigen Projekte, z.B. zu Gewaltprävention, Essstörungen, Medienkompetenz oder Liebe und Sexualität, werden von unterschiedlichen Mädchenberatungsstellen angeboten. Geschultes Fachpersonal stärkt und fördert die Mädchen*, leistet Aufklärungsarbeit und informiert diese über deren Rechte. Vorwiegend handelt es sich bei den Maßnahmen um.
 

Förderung von Plätzen für Mädchen*, die von Zwangsheirat oder von Gewalt bedroht/betroffen sind

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert zudem die anonyme und sofortige Aufnahme und Betreuung von Mädchen* und jungen Frauen*, die von Zwangsheirat betroffen oder bedroht sind. Hierzu werden, unabhängig von Kostenzusagen der zuständigen Jugendämter, in unterschiedlichen Jugendhilfeeinrichtungen qualifizierte Notaufnahmeplätze zum Schutz vor Zwangsheirat vorgehalten. In den Einrichtungen wird den Betroffenen rund um die Uhr eine fachliche Betreuung zugesichert.

Projekte im Sport

Regelmäßig im Juli findet die NRW Streetbasketball Tour statt, die vom Westdeutschen Basketball-Verband, der Sportjugend Nordrhein-Westfalen, den AOK-Gesundheitskassen Rheinland und Westfalen und dem Ministerium veranstaltet wird. Die wichtigste Regel bei Streetbasketball heißt "Fair Play". Dieser Sport kommt deshalb ohne Schiedsrichter aus und gilt als gutes Konfliktlösungstraining.

Projekte gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Rassismus

Mit dem Goldenen Hammer des Landesjugendringes NRW werden einmal jährlich besondere Aktivitäten gegen Rechtsextremismus und Gewalt ausgezeichnet.
 
Mit dem Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen (IDA NRW) fördert das Land zudem eine wichtige Stelle der Beratung und Information auf diesem Gebiet. Nähere Informationen erhalten Sie vom Landesjugendamt Rheinland.

Themen

Jugend