„Wenn es um den Islam geht, verkennen wir oft dessen Vielfalt“

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Gespeichert von Sabrina Bersheim am 8. Dezember 2017 - 16:44
8. Dezember 2017

„Wenn es um den Islam geht, verkennen wir oft dessen Vielfalt“

„Wieviel Islam gehört zu Deutschland?“, darüber diskutierten Integrationsminister Joachim Stamp und Heribert Prantl am 7. Dezember bei der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP). Stamp problematisierte die pauschale Stigmatisierung von Musliminnen und Muslimen seit dem 11. September 2001 und unterstrich: „Ein Islam, der sich zum Grundgesetz bekennt, gehört selbstverständlich zu Deutschland.“

 

Seit dem 11. September 2001 assoziierten Viele den Islam vor allem mit Terrorismus, sagte Minister Stamp. „Sie fühlen sich bestätigt durch jeden neuen Anschlag und nicht zuletzt durch den so genannten Islamischen Staat, durch Boko Haram oder Al Shabab.“ Musliminnen und Muslime würden zunehmend und pauschal als Bedrohung wahrgenommen und die Populisten hätten das wachsende Misstrauen geschickt aufgegriffen. Es sei Aufgabe der Politik, hier klar Position zu beziehen, Ängste abzubauen und zu einer stärkeren Differenzierung in der Debatte beizutragen: „Wir sollten nicht zulassen, dass Salafisten und Dschihadisten, die in den heiligen Krieg ziehen wollen, das Bild der Muslime prägen.“ Das auch, weil pauschale Urteile und das Erlebnis von Alltagsdiskriminierung dazu führten, dass sich die zweite und dritte Generation der Einwanderer, gerade aus der Türkei, wieder stärker am Heimatland ihrer Großeltern orientiert.

„Wer sich an unsere Rechtsordnung hält, ist hier als gleichberechtigter Bürger willkommen“, so Stamp weiter. In Deutschland gehe es nicht um den Koran oder die Bibel, sondern um das Bekenntnis zum Grundgesetz: „Ein so verstandener Islam gehört ganz selbstverständlich zu Deutschland.“ Diese Aussage bestärkte auch Heribert Prantl, Leiter des Ressorts für Innenpolitik und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung: Es gehe nicht darum, wieviel Islam zu Deutschland gehöre, sondern welcher.

Im Anschluss diskutierten Minister Stamp und Heribert Prantl auf dem Podium. Stefan Weigel, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post, moderierte die Veranstaltung. Er zitierte eine forsa-Umfrage, nach der die Zustimmung zur Frage, ob der Islam zum Ruhrgebiet gehöre, in den letzten zwei Jahren um zehn Prozentpunkte gesunken sei. „Wir haben in Deutschland versäumt, von Anfang an Integration zu fördern, aber auch einzufordern“, ordnete der Minister das Umfrageergebnis ein. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass was jahrzehntelang an Integrationsleistungen versäumt wurde, nicht innerhalb weniger Jahre nachzuholen sei.

Die BAPP veranstaltete die Diskussionsrunde zum Abschluss des Projektes „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“. Wissenschaftler der Bonner Akademie hatten untersucht, wie das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in gegenseitiger Wertschätzung und möglichst frei von Konflikten gelingen kann. Dabei wurden auch Ansätze entwickelt, um die Integration im Ruhrgebiet spürbar zu verbessern.

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