"Real Magic" und "Die Borderline Prozession": Zwei NRW-Stücke beim 54. Berliner Theatertreffen

Bild des Benutzers Henning Severin
Gespeichert von Henning Severin am 8. Februar 2017 - 15:54
Szene aus dem Stück "Die Borderline Prozession" von Kay Voges, Dirk Baumann und Alexander Kerlin.
8. Februar 2017

"Real Magic" und "Die Borderline Prozession": Zwei NRW-Stücke beim 54. Berliner Theatertreffen

Zwei Stücke aus NRW sind für das renommierte Berliner Theatertreffen ausgewählt: "Real Magic" von PACT Zollverein mit dem britischen Kollektiv Forced Entertainment und "Die Borderline Prozession" vom Schauspiel Dortmund werden im Mai in Berlin gezeigt. Insgesamt werden beim 54. Theatertreffen, das als wichtigste Leistungsschau des deutschsprachigen Theaters gilt, zehn Produktionen zu sehen sein.

 

Die Jurymitglieder des Berliner Theatertreffens, das vom 5. und 21. Mai stattfindet, haben in den vergangenen Monaten 377 Inszenierungen in 63 deutschsprachigen Städten besucht. Insgesamt wurden 38 Inszenierungen vorgeschlagen und diskutiert. Die zehn ausgewählten Stücke zählen nach Angaben der Veranstalter zu den bemerkenswertesten Inszenierungen im deutschsprachigen Theater.


"Die Borderline Prozession" ist eine Musik-, Kunst-, Theater- und Filminstallation. Regisseur Kay Voges vermisst die heutige Welt als rasend Bilder ausspeiende Maschinerie und lotet ihre Auswirkungen auf moderne Bewusstseinszustände aus. Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben unterschiedliche Einblicke in den gewaltigen 10-Zimmer-Gebäudekomplex in gediegenem Retro-Mittelstands-Schick.


Sie sehen atmosphärische Stillleben, inspiriert von Künstlern wie Edward Hopper oder Gregory Crewdson, können sich geistig selbst bedienen aus dem darüber laufenden Musik-Medley und Zitatengewitter. Um sie herum kreist eine Prozession aus 23 Darstellerinnen und Darstellern mit Weihrauch und Gesang. Bald wird der zunächst banale Alltag zur Festung gegen eine zusehends eskalierende Krise. „Borderline Prozession“ ist eine Reflexion über den Terror der gleichzeitigen Ereignisse, die wir uns süchtig permanent medial zuführen.

Bei "Real Magic" spielen drei Überdurchschnittstypen eine Quizshow. Die Spielfläche besteht aus einem Stück Kunstrasen und ein paar Lampen, die sich im Halbkreis drum herum arrangieren. Jerry Killick, Richard Lowdon und Claire Marshall schlüpfen mal in die Rolle des Quizmasters, mal in die Rolle der Kandidatinnen und Kandidaten. Begriffe sollen geraten werden.


Im Sinne des bekannten Diktums von Samuel Beckett "Wieder scheitern. Besser scheitern" wiederholt sich die selbe Szene immer wieder anders, wobei der Abend alle möglichen Tonarten ausprobiert und alle erdenklichen Gesten ausschöpft. Dazu ertönen Lacher vom Band und peppige Show-Musik. Heraus kommt eine hochenergetische Performance, die vom Zwang zur Wiederholung erzählt und von der Vergeblichkeit, sich aus bewährten Mustern zu lösen. Von den Realitäten des Lebens versteht dieser absurde Abend dabei ebenso viel wie von der Magie des Theaters.


Neben „Real Magic“ und „Die Borderline Prozession“ waren sieben weitere Stücke aus Nordrhein-Westfalen in der Endauswahl:  „Glaubenskämpfer“ von Nuran David Calis (Schauspiel Köln, Regie: Nuran David Calis), „Iwanow“ von Anton Tschechow (Schauspiel Köln, Regie: Robert Borgmann), „nicht schlafen“ von Alain Platel, Steven Prengels, Berlinde De Bruyckere, les ballets C de la B (Ruhrtriennale Bochum, Regie: Alain Platel), „Mephisto“ nach Klaus Mann (Schauspielhaus Bochum, Regie: Daniela Löffner), „Verbrechen und Strafe“ nach Fjodor M. Dostojewski (Schauspielhaus Bochum, Regie: Jan Klata), „Nathan“ nach G.E. Lessing mit Texten von Musliminnen und Muslimen aus Bonn (Theater Bonn, Regie: Volker Lösch) sowie „Woyzeck“ nach Georg Büchner (Theater Bonn, Regie: Simon Solberg).

 

Eine Übersicht über alle Stücke beim Berliner Theatertreffen finden Sie hier.

Pressemitteilungen

zum Thema

Weitere Informationen

zum Thema