Staatsekretärin Serap Güler: „Erdogan-Euphorie in Deutschland steht der Integration stark im Weg“

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Gespeichert von Sabrina Bersheim am 20. Juli 2017 - 12:07
20. Juli 2017

Staatsekretärin Serap Güler: „Erdogan-Euphorie in Deutschland steht der Integration stark im Weg“

Im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger (Ausgabe vom 20. Juli 2017) sprach Serap Güler über Integrationspolitik und ihre Rolle als Integrationsstaatssekretärin im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

 

Güler kündigte eine Integrationsoffensive 2030 für Nordrhein-Westfalen mit vier Säulen an: Spracherwerb, Integration durch Bildung, durch Arbeit und durch Wertevermittlung: „Wir müssen stärker in der Schule vermitteln, dass man in Deutschland frei seine Meinung kundtun kann und dass es dagegen alles andere als demokratisch ist, für die Todesstrafe in der Türkei zu plädieren.“

Die Erdogan-Euphorie in Deutschland stehe der Integration stark im Weg, sagte Güler. Menschen, die sich Erdogan zugehörig fühlten, seien hier nie angekommen. Wichtig sei aber auch ein Stimmungswechsel in der deutschen Politik. Bisher habe man es zumindest rhetorisch versäumt, den türkischstämmigen Menschen zu sagen: „Ihr gehört zu uns“.

Die Integration der Türkischstämmigen in Deutschland sieht Güler im religiösen Bereich am wenigsten gelungen. Hier sieht sie auch den größten Moscheeverband, die Ditib, in der Verantwortung: „Wenn sie wie am Wochenende in Deutschland zu Demokratiewachen aufruft, dann betreibt sie türkische Politik.“ Im Beirat für den islamischen Religionsunterricht sieht Güler die Ditib künftig eher beratend und nicht mehr bestimmend. Das Beiratsmodell läuft 2019 aus.

Als eine der ersten Amtshandlungen hatte die neue Landesregierung den Modellversuch zu anonymisierten Bewerbungen aus der vorherigen Legislatur abgeschafft. Darauf angesprochen sagte Güler: „Ich möchte nicht, dass Menschen ihren Namen, ihre Herkunft, ihr Geschlecht verstecken müssen, um im Öffentlichen Dienst (…) zu einem Bewerbungsgespräch für eine Ausbildung eingeladen zu werden.“ Der Auftrag im Öffentlichen Dienst sei es doch gerade, mehr Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu integrieren. Dann sollten diese das nicht leugnen müssen.  

Serap Güler sieht sich als Staatssekretärin mit Einwanderungsgeschichte in einer Brückenfunktion. Man kenne beide Bevölkerungsgruppen aus eigenem, ganz persönlichem Erleben und habe Verständnis für beide Seiten. Das gelte auch für Diskriminierungserfahrungen. Nicht alles, was manche als Diskriminierung werten, sei auch tatsächlich Diskriminierung. „Es gibt Menschen, die fühlen sich in ihrer Opferrolle wohl, denn für das eigene Scheitern sind dann immer andere verantwortlich. Aber wenn jemand Özdemir heißt und deshalb keine Wohnung bekommt, dann hat das etwas mit Diskriminierung zu tun. Oder wenn Kinder mit Migrationsgeschichte bei gleichen Schulleistungen nur selten eine Gymnasialempfehlung erhalten.“

Das ganze Interview finden Sie hier.

 

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